Gutes Zeugnis für Spermaqualität

Dr. Martin Schulze

Der Schweinezuchtverband unterzieht sich als Mitglied im internationalen Forschungsverbund FBF (Förderverein Bioökonomieforschung) einem regelmäßigen Qualitätsmonitoring durch externe Experten. Beim Stationsbesuch von Dr. Martin Schulze vom IFN (Institut für Fortpflanzung landwirtschaftlicher Nutztiere in Schönow bei Berlin) im Frühjahr 2016 wurden die Arbeitsabläufe, die Hygienemaßnahmen sowie die Qualitätssicherungssysteme in der Spermaproduktion kritisch unter die Lupe genommen. Neben den bakteriologischen Proben aus dem Stall und dem Labor wurden für ein umfangreiches Forschungsprojekt diesmal auch Wasserproben gezogen. Gleichzeitig wurden stichprobenweise Spermatuben aus der Produktion genommen und hinsichtlich der Spermaqualitätskriterien nach dem FBF Standard im Referenzlabor in Schönow überprüft. Im Anschluss an die Untersuchungen gab es im Rahmen einer Mitarbeiterschulung praktische Tipps vom Experten, um die Arbeitsabläufe laufend zu optimieren. Das Resümee von Dr. Schulze zum Stationsbesuch: „Ich kann dem Team des SZV ein sehr gutes Zeugnis ausstellen. In Steinhaus wird hinsichtlich Spermaqualität und Hygiene auf internationalem Spitzenniveau gearbeitet. Die Ergebnisse bestätigen unsere Vergleichsuntersuchungen der letzten Jahre “ .

Spermaqualitätskontrolle an der Besamungsstation Steinhaus

Grundlage für eine gute Spermaqualität ist eine genaue Qualitätsanalyse jedes Ejakulates nach der Gewinnung. Vor der Abfüllung muss entschieden werden, ob das Ejakulat überhaupt für eine Weiterverarbeitung geeignet ist. Nach der Erstuntersuchung wo die Beschaffenheit, Farbe und Verschmutzungen wie Blut- oder Eiterbeimengungen überprüft werden fällt die erste Entscheidung unter dem Mikroskop.

FOTO: Dr. Alfred Griessler bei der Qualitätskontrolle im Labor des SZV

 

Dr. Alfred Griessler bei der Qualitätskontrolle im Labor des SZV

Computeranalyse

Mit Hilfe des computergestützten Videosystems „Spermvision“ wird dem Tierarzt eine objektive Entscheidungshilfe bei der Erfassung der Spermienbeweglichkeit gegeben. Da das Volumen der Analysekammer genau definiert ist, kann im ersten Schritt die Spermienkonzentration exakt erfasst werden. Gleichzeitig wird der zweite wichtige Parameter der Spermienqualität die Beweglichkeit (Motilität) erfasst. Eine hochauflösende digitale Videokamera nimmt an 8 verschiedenen Messpunkten der Samenprobe die Bewegungen der Spermien auf. Dabei unterscheidet die Software zwischen 4 verschiedenen Kategorien von Spermien: die vorwärtsbeweglichen, die ortsbeweglichen, die hyperaktiven und die inaktiven. Aus den verschiedenen Messergebnissen in den jeweiligen Kategorien errechnet der Computer die durchschnittliche Motilität der Spermien. Der große Vorteil von „Spermvision“ liegt in der Objektivität der Messmethode. Durch die mehrmalige Wiederholung der Messung an verschiedenen Punkten ist eine gute Aussagekraft über die tatsächliche Motilität gegeben.

Spermaverarbeitung

Die bestimmenden Faktoren für die Spermaverdünnung sind das Volumen, die Dichte und die Motilität des Ejakulates. Diese drei Werte werden objektiv erhoben und von der EDV übernommen. Unter Berücksichtigung von 1,8 Mrd. vorwärtsbeweglichen Spermien, die je Tube abgefüllt werden, wird die mögliche Portionsanzahl berechnet. Die vollautomatische Abfüllanlage ermöglicht ein exaktes und hygienisches Abfüllen, Verschweißen und Kennzeichnen der Tuben. Von allen verarbeiteten Ejakulaten werden Halteproben hergestellt. Als Grenzwert für den Haltetest wurde ein Limit von 60 % vorwärtsbeweglichen Samenzellen festgesetzt.
Ziel ist es mit dem Einsatz modernster Technik die Objektivität und Transparenz zu verbessern und gleichzeitig eine gesicherte Spermaqualität zu liefern und damit das Kundenvertrauen weiter zu stärken.

Dr. Alfred Griessler
Tierärztlicher Leiter der Besamungsstation Steinhaus