Tipps und Tricks rund um die Besamung der Sau

10 Praxistipps für Top-Fruchtbarkeitsleistungen

Dr. Thomas Voglmayr, Traunkreis Vet Clinic

1.    Ausreichend Zeit in die Stimulation der Sauen investieren

Die Rauschekontrolle wird stets von derselben Person durchgeführt, zu gleichen Zeiten, bei Stallruhe und nach demselben Arbeitsablauf. Zur Stimulation der Sau werden die Schlüsselreize des Ebers nachgeahmt. Geduld und Einfühlungsvermögen des Betreuers sind entscheidend für die Auslösung des Duldungsreflexes. Nach der Kontaktaufnahme ist für die erfolgreiche Auslösung des Duldungsreflexes die Reihenfolge Flankendruck, Flankengriff, Rückendruck und Reittest entscheidend und muss eingehalten werden.

2.    Eberkontakt – Auf die richtige Dosis kommt es an

Ab dem 3.-4. Tag nach dem Absetzen soll 2 x täglich mit dem Eber für jeweils 15-30 Minuten die Rauschekontrolle bzw. Rauschestimulation durchgeführt werden. Ausreichender Eberkontakt vor und während des Besamungsaktes ist sicherzustellen. Durch Absperrgitter wird der Eber vor den zu besamenden Sauen (max. für 4-6 Zuchtsauen) fixiert. Die Sauen sollen mit allen Sinnen (Sichtkontakt, Paarungsgrunzen, Ebergeruch, Tastsinn, Aufsprungversuche) die Anwesenheit des Ebers wahrnehmen.

3.    Lichtprogramm

Licht führt zu einer Stimulation gewisser Gehirnbereiche (Hypothalamus, Hypophyse), die für die Bildung von Geschlechtshormonen verantwortlich sind. Die follikel- bzw. eierstockstimulierende Wirkung von LH und FSH spielt für die Ausbildung von Rauschesymptomen eine bedeutende Rolle. Die Installation eines Lichtprogramms mit 300-500 Lux im Kopfbereich der Sauen für 12-14 Stunden pro Tag (keine Dauerbeleuchtung!) verbessert die Rauscheintensität und erleichtert deren Erkennung.

4.    Sprühkühlung – Umrauscher können brausen gehen!

Hohe Temperaturen im Sommer führen in der Laktation und Frühträchtigkeit zu Hitzestress. Probleme bei der Futteraufnahme und der Konditionierung der Sauen verursachen schlechte und verzögerte Rauschesymptome und Umrauscher. Optimale Stalltemperaturen für tragende Sauen sind abhängig vom Aufstallungssystem zwischen 15 und 20 °C, für Sauen im Abferkelstall zwischen 18-20 °C. Im Hochsommer sind diese Ansprüche natürlich nur schwer zu erfüllen. Hohe Temperaturen (32 °C) in der Frühträchtigkeit führen zum Absterben befruchteter Eizellen und somit zu einer erhöhten embryonalen Sterberate. Im Sommer sollen Höchsttemperaturen während der ersten 30 Trächtigkeitstage von 28 °C nicht überschritten werden.
Die Optimierung der Lüftung im Deckzentrum und Kühlung der Sauen über Sauendusche oder Sprühkühlung reduzieren den Hitzestress, verbessern die Futteraufnahme sowie das Rauscheverhalten und verkürzen das Absetz-Rausche Intervall. Fazit: Eine optimale Temperatur im Deckzentrum reduziert Umrauscher und bringt mehr geborene Ferkel.

5.    Optimaler Besamungszeitpunkt – Timing ist alles!

Das Besamungsmanagement muss dem individuellen Brunstverhalten der Tiere angepasst werden. Frührauschende Sauen (<4 Tagen nach dem Absetzen) weisen eine lange Brunst (über 72 Stunden Duldungsreflex) auf. Die Ovulation findet 40-48 Stunden (bis zu 56-64) nach Einsetzen der Brunst statt. Spätrauschende Sauen (> 6 Tage Absetz-Rausche-Intervall) rauschen vorwiegend kurze Zeit. Hier tritt die Ovulation bereits innerhalb der ersten 24 Stunden der Brunst ein.
Sauen, die mittwochs abgesetzt werden und schon sonntagmorgens einen positiven Reittest zeigen, werden Montag früh und Dienstag früh besamt. Erstbesamung und Nachbesamung sollten nicht länger als 16-24 Stunden auseinander liegen. Bei diesen „frührauschenden“ Sauen kann eine Drittbesamung nach weiteren 16-24 Stunden mit deutlich höheren Abferkelraten einhergehen.
Sauen mit einem mittleren Absetz-Brunstintervall von etwa 5 Tagen werden 12 Stunden nach positivem Reittest besamt. Wird die Duldung morgens beobachtet, erfolgt die erste Besamung am Abend. Sauen, die abends eine Duldung zeigen, werden am nächsten Tag besamt. Die Besamung wird nach 16-24 Stunden wiederholt.
Spät in Rausche kommende Sauen rauschen gewöhnlich kurz. Da diese Tiere in der Regel auch früh ovulieren, ist eine Besamung unmittelbar nach Beginn der Eberduldung durchzuführen. Sofern noch ein Duldungsreflex vorhanden ist, wird die Besamung nach 12 Stunden wiederholt.
Als Faustregel gilt immer: Nur Sauen mit Duldungsreflex besamen.

6.    Dokumentation – Wer kennt seine Sauen am besten?

Zur Optimierung der Besamungsergebnisse ist das Führen von Besamungsprotokollen ein absolutes Muss. In Besamungsprotokollen werden Absetzzeitpunkt, Rauscheeintritt, Duldungsdauer, Besamungszeitpunkte, eventuell auftretende Abnormalitäten (Ausfluss, keine Duldung, …), Samenherkunft, Trächtigkeitsrate nach Ultraschalldiagnostik sowie Abferkelrate und geborene Ferkel vermerkt. Durch die Daten- bzw. Fehleranalyse über längere Zeiträume können Besamungszeitpunkte genauer festgelegt werden und Fruchtbarkeitsleistungen gesteigert werden.

7.    Besamungshilfen

Deckgurt, Deckbügel oder Decksattel ermöglichen die parallele Besamung mehrerer Sauen, ohne dass die Besamungstechnik darunter leidet. Mit Besamungshilfen wird die Stimulation der Sau verbessert und die Dauer der Einzelinsemination deutlich gesenkt.

8.    Hygiene macht sich bezahlt

Im Deckzentrum gilt es auf äußerste Hygiene zu achten. Eine entsprechende Gestaltung der Standfläche der Sau (Kotdurchtritt) sowie eine regelmäßige Kotbeseitigung sollen krankmachenden Keimen das Leben schwermachen. Eine trockene und saubere Umgebung soll dies gewährleisten.
Bei der Besamung ist vor dem Einführen des Besamungskatheters die Scham der Sau trocken mit Zellstoff (Küchenrolle) zu reinigen (dabei die Scheide auf Ausfluss überprüfen). Sauen mit Ausfluss werden gekennzeichnet und entsprechend behandeln oder ausgeschieden.
Bei Sauen mit Ausfluss kein Natursprung!

9.    Katheterhandling

Besamungskatheter sollen so hygienisch (steril) wie möglich (staubfrei) aufbewahrt werden - nicht im Stall! Pro Sau und Besamungsakt darf nur ein einziger Katheter verwendet werden, um  die Übertragung von potentiellen Krankheitserregern (Streptokokken, Chlamydien, etc.) zu verhindern. Besamungskatheter immer nur am hintersten Ende anfassen! Vorsichtiges Entnehmen aus der Plastikhülle (am Katheterschaft Hülle öffnen) und Hantieren der Besamungskatheter bis zum Einführen in die Sau.
Beim Einführen des Katheters in die Sau ist die Katheterspitze nach oben gegen das Scheidendach gerichtet. Nach Erreichen des äußeren Gebärmuttermundes wird der Katheter noch vorsichtig in dem Bereich der Cervix vorgeschoben und dort verankert. Die Überprüfung des optimalen Kathetersitzes erfolgt durch leichtes Zurückziehen.

10.    Ebersperma – Topleistung gelingt nur mit Topqualität

Nur ein hoher Qualitätsstandard beim Ebersperma kann eine gleichmäßig hohe Fruchtbarkeit in den Sauenbeständen gewährleisten. Dazu muss sowohl im Labor von Eberstationen als auch am Betrieb das Sperma einer Qualitätsprüfung unterzogen werden.
Im Rahmen der Sinnesprüfung werden Farbe, Konsistenz und Reinheit des Ejakulates kontrolliert. Es dürfen keine qualitätsmindernden Beimengungen (Eiter, Blut, Harn) vorhanden sein.
Die Spermamenge wird mittels Wiegen und die Spermienkonzentration mit Hilfe eines Fotometers oder mit computerunterstützten Systemen bestimmt. Genaue Messungen bei jedem einzelnen Ejakulat sind wichtig, da vor allem die Spermienkonzentration auch bei ein und demselben Eber großen Schwankungen unterliegen kann.
Bei der Untersuchung des Spermas unter dem Mikroskop werden im Optimalfall unter einem Phasenkontrastmikroskop bei 200facher Vergrößerung die Bewegungsaktivität der Spermien und der Anteil an formveränderten Spermien beurteilt. Bei gravierenden Mängeln wird das Ejakulat nicht weiter verarbeitet.