Zucht: Wohin geht die Reise?

Die Entwicklungen am Schweinemarkt machen beste Betriebsleistungen notwendig, um wirtschaftlich erfolgreich zu arbeiten. Durch die intensive Zusammenarbeit zwischen Zucht- und Produktionsstufe ist das ÖHYB Programm perfekt auf die österreichischen Marktverhältnisse abgestimmt. Das Informationspotenial der Ferkelringe und Zuchtverbände wird effizient genutzt und hat eindrucksvolle Leistungssteigerungen gebracht. Wo steckt das genetische Potential zu weiteren Verbesserungen und wohin geht die gemeinsame Reise in Zukunft?

Spezialisierung oder Einheitsschwein?

Auch wenn manche Entwicklungen am internationalen Schweinemarkt ähnlich ablaufen, können wir eines feststellen: Das europäische Einheitsschwein gibt es bis heute nicht! Jeder Markt hat seine speziellen Abnehmer und damit seine Besonderheiten. Die auch im Export erfolgreiche heimische Fleischwirtschaft hat sich mit den vergleichsweise kleinen Strukturen auf höchste Qualität spezialisiert. Die österreichische Preismaske bezahlt demnach Mastschweine mit hohem Magerfleischanteil über 56% deutlich besser. Das heißt, wenn die österreichischen Ferkelproduzenten einen Marktvorteil erzielen wollen, müssen sie einheitliche Partien mit hohem Wachstumspotential und durchschnittlich 60% Magerfleischanteil liefern.

Pietrain als optimaler Endstufeneber

Auf der Eberseite hat sich der Pietraineber für dieses Ziel bestens bewährt. Keine andere Rasse vermag die Anforderungen in Punkto Fleischfülle, Ausschlachtung, Homogenität und Futterverwertung auf diesem hohen Niveau zu erfüllen. In den letzten Jahren wurde durch die Stresssanierung der Rasse zusätzlich die Fleischqualität (pH-Wert, Drip - Verlust) deutlich verbessert. Ein Prozent weniger Wasserverlust (Drip) im Kühlhaus des Schlachthofes bringt einen Mehrerlös von mindestens € 2,- pro Schlachtkörper für die Fleischwirtschaft. Eine Menge Geld also, das die Leistung der österreichischen Züchter gebracht hat, wenn man bedenkt, dass mit der Umstellung auf reinerbig stressstabile Pietrains (NN) der Dripverlust bei Pietrain um 4% gesenkt werden konnte.
Das genetische Leistungspotential eines ÖHYB Mastschweines kommt je zur Hälfte vom Vater  - einem stresssicheren Pietraineber mit ausgezeichneter Fleischfülle - und der Mutter - einer fruchtbaren ÖHYB Kreuzungssau.

Schwerpunkt Mutterrassen: Fruchtbarkeit

Für die Ferkelproduktion ist eine fruchtbare, stabile Sau mit hoher Nutzungsdauer entscheidend. Im Zuchtziel für die Mutterrassen Edelschwein und Landrasse ist deshalb die Fruchtbarkeit (Anzahl lebend geborener Ferkel 30% und Anzahl aufgezogener Ferkel 70%) mit 50% im Gesamtzuchtwert stark gewichtet. Entscheidend für die Vermarktung ist, dass bei den Mutterrassen trotz höchster Fruchtbarkeitsleistungen die Mast- und Schlachtleistung nicht vernachlässigt wird. Dies war und ist stets die Strategie im ÖHYB Programm. Erfolgreiche Zuchtarbeit gründet auf langfristigen Zielen.

Dass sich die Fruchtbarkeit laufend verbessert, beweisen die jährlichen Leistungssteigerungen. Die Entwicklung wird sich rasch fortsetzen. Die Medienberichte über neue Fruchtbarkeitsrekorde diverser Genetikanbieter übertreffen sich immer öfter. Aber welches Potential steckt in unserer heimischen Genetik? Können wir hier mithalten?

Genetisches Potential

Eine umfassende Darstellung der Zuchtleistungen unter österreichischen Praxisverhältnissen ist mit dem Sauenplaner möglich. So sind z.B. in Oberösterreich sämtliche 590 VLV Ferkelringbetriebe in der Leistungsaufzeichnung erfasst. Diese 39.000 Sauen liefern eine enorme Informationsmenge und sind somit auch ein Gradmesser über den Erfolg der Zuchtarbeit. Seit heuer kommen dadurch jährlich 100.000 Würfe aus der Produktionsstufe für die Zuchtwertschätzung Fruchtbarkeit dazu. Die Auswertungen aus der zentralen Datenbank zeigen das hohe genetische Potential.  
Wenn wir deses genetische Potential mit den besten 25% der Sauen (im Zeitraum 1.1.2008-1.7.2009) verteilt über alle Betriebe definieren, so haben diese 8.500 Sauen im VLV 30,6 lebend geborene Ferkel pro Sau und Jahr (12,8 pro Wurf). Immerhin knapp 3500 Sauen (die besten 10%) kommen auf 33,4 lebend geborene Ferkel/Sau/Jahr (13,6 pro Wurf). Mit 26 bzw 27,5 aufgezogenen Ferkeln/Sau/Jahr zeigen die 25 bzw. 10% besten Sauen auch das hohe Aufzuchtpotential. Mit einer durchschnittlichen Wurfzahl von 6,4 ist auch eine Nachhaltigkeit der Leistungen gegeben und den Tieren geht nicht nach dem 2. Wurf im wahrsten Sinne die „Luft“ aus. Wir brauchen also den Vergleich nicht zu scheuen und dies auf der Basis von realen Fakten.

Entwicklung wird weitergehen

Die Leistungsentwicklung wird nicht stehen bleiben. Eine Erweiterung der Datengrundlage wie oben dargestellt, sowie neue züchterische Verfahren erhöhen die Wahrscheinlichkeit für „positive Treffer“ in der Zucht. Die in der Zusammenarbeit von Zucht- und Produktion gegebenen Möglichkeiten müssen wir gemeinsam nutzen. Die strenge Selektion nach den speziellen Anforderungen des Marktes einerseits sowie die Transparenz und das laufende Controlling andererseits sind die Chance auch in unseren Strukturen erfolgreich vorwärts zu kommen. Wenn wir diese Herausforderungen annehmen wird es uns gelingen, Wertschöpfung entlang der gesamten Produktionskette von der Zucht bis zur Mast in Österreich zu halten.
 



Dr. Peter Knapp
Schweinezuchtverband & Besamung OÖ